Formen - Nagelpsoriasis

Nagelpsoriasis:Wenn Schuppenflechte die Nägel befällt

Eine Nagelpsoriasis tritt bei etwa jedem zweiten Schuppenflechte-Patienten auf. Im Verlauf der Erkrankung können Finger- und Zehennägel zerstört werden. Viele Betroffene leiden auch unter Gelenkentzündungen.

Auch schwere Formen der Nagelpsoriasis können mittlerweile mit Biologika wirksam therapiert werden - allerdings erfordert die langwierige Behandlung von den Betroffenen viel Geduld.

Bei einer Nagelpsoriasis befällt die Schuppenflechte Finger- und Zehennägel: Die unansehnlichen, oft auch schmerzhaften Nagelveränderungen belasten die Betroffenen stark. Um die geeignete medikamentöse Therapie zu finden, ermittelt der Arzt mithilfe eines anerkannten Verfahrens den Schweregrad der Beschwerden.

Eine Nagelpsoriasis lässt sich kaum verbergen. Ob unter Arbeitskollegen oder im Freundeskreis - die befallenen Hände sind den Blicken der Mitmenschen ausgesetzt. Sind die Nägel stark vergilbt, zerbröckelt und deformiert, belastet das die Betroffenen besonders.

Oft schmerzen zusätzlich die Finger und lassen sich nur noch eingeschränkt bewegen. Wenn die Fußnägel betroffen sind, fällt das Laufen schwer.

Für viele Menschen ist das Alltag: Insgesamt leiden Untersuchungen zufolge bis zu 50 Prozent aller Psoriatiker an einer Nagelpsoriasis. In Deutschland leben somit rund eine Million Betroffene. Bei Schuppenflechte-Patienten mit Psoriasis-Arthritis liegt der Anteil mit 70 Prozent am höchsten.1

Bei lediglich ein bis fünf Prozent der Nagelpsoriasis-Erkrankten sind ausschließlich die Nägel befallen - meist zeigt sich die Schuppenflechte auch auf der Haut.2 Bei Kindern mit Schuppenflechte liegt der Anteil einer Nagel-Beteiligung zwischen sieben und 39 Prozent.3

Die Nagelpsoriasis kann an Finger- und Zehennägeln auftreten und dort den gesamten Nagelapparat angreifen. Oft geht sie einer Gelenkentzündung (Psoriasis-Arthritis) voraus.

Die Diagnose ist für Ärzte nicht einfach, da vergleichbare Nagelveränderungen auch durch Ekzeme, Pilzinfektionen und Tumorerkrankungen entstehen können. Um sicherzugehen, machen Ärzte einen sogenannten Rheumascan oder entnehmen eine Gewebeprobe.

Die typischen Symptome einer Nagelpsoriasis sind3,4:

  • Tüpfelnägel - winzige, punktförmige Einsenkungen in der Nagelplatte
  • Ölflecken - gelb-bräunliche Verfärbungen unter dem Nagel
  • Krümelnägel - unter dem Nagel bilden sich Schuppen, die das Nagelbett anheben und die Nagelplatte krümelig machen und zerstören können
  • Splitterhämorrhagien - strichförmige Verfärbungen am Nagelende
  • Nagelfalz-Schwellung - die Hautfalte an den Rändern der Nagelplatte schwillt an

Hinzu kommt die oben erwähnte massive Beeinträchtigung der Lebensqualität, vor allem bei Patienten, die berufsbedingt häufig mit Menschen in Kontakt stehen. Die Folge: Viele Betroffene leiden unter psychischen Begleiterkrankungen wie Depressionen.

Welche Behandlung die richtige ist, hängt vom Schweregrad der Nagelpsoriasis ab. Um diesen zu ermitteln, führen Hautärzte meist den international anerkannten NAPPA-Score (Nail Assessment in Psoriasis and Psoriatic Arthritis) durch.5

Dieses Verfahren erfasst einerseits die krankhaften Nagelveränderungen, andererseits die körperlichen, psychischen und sozialen Begleitbeschwerden des Patienten.

Anhand der Diagnose-Ergebnisse wird eine medikamentöse Therapie der Nagelpsoriasis verordnet6:

  • Äußere Behandlung (lokal) - bei leichteren Fällen werden Salben und Cremes mit verschiedenen Wirkstoffen wie Harnstoff, Kortison, Zellwachstumshemmern, Vitamin-D3-Präparate, Schwefel- und Schachtelhalm verwendet. Außerdem können UV-Lichttherapien verschrieben werden.
  • Innere Behandlung (systemisch) - üblich und hochwirksam sind mittlerweile Biologika, die laut Studien bei der Hälfte der Patienten die Nagelpsoriasis komplett abheilen lassen.1 Es kommen aber auch andere Präparate, unter anderem mit Folsäure, zum Einsatz.

Mittlerweile hilft die systemische Therapie - vor allem mit Biologika - selbst bei schweren Fällen der Nagelpsoriasis, ohne dass schwere Nebenwirkungen in Kauf genommen werden müssen.1

Es dauert oft einige Monate, bis die Beschwerden abklingen. Aufgrund des langsamen Nachwachsens der Nägel bleiben die Nagelveränderungen lange sichtbar.

Betroffene Nägel sollten vor äußeren mechanischen Reizen wie Druck und Reibung geschützt werden. Wichtig ist zudem eine regelmäßige Nagelpflege, um die Beschwerden zu lindern und unansehnliche Nagelveränderungen kosmetisch zu verschönern:2

  • Nägel kurz schneiden - vor allem für Betroffene wichtig, die viel mit ihren Händen arbeiten. Auch Handschuhe schützen die erkrankten Fingernägel.
  • Bäder - betroffene Hände und Füße am besten täglich in warmem Öl- oder Salzwasser einweichen lassen.
  • Eincremen - auf die Haut an den Nägeln vor allem nach Bädern eine fettende Salbe auftragen.
  • Weite Schuhe tragen - damit auf betroffene Zehen kein zusätzlicher Druck ausgeübt wird.
  • Künstliche Nägel - sie können auf zerstörte Nägel aufgebracht werden und zu einer optischen Verschönerung der Nagelveränderungen führen.
Quellen:
  • 1. R. Blaga: Nagel-Psoriasis - Was, wann wie helfen kann. In: PSO aktuell, 2:2013. S. 26-29.
  • 2. P. Altmeyer: Psoriasis der Nägel. In: Die Online-Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin. URL: http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/artikel?id=14686. Zugriff am 9. Oktober 2017.
  • 3. R. Gläser: Nagelpsoriasis. In: Psoriasis - auf einen Blick. E. Christopher (Hrsg.), Thieme 2003. S. 42.
  • 4. I. Moll (Hrsg.): Duale Reihe Dermatologie. Thieme, 2005, S. 465.
  • 5. W. Raab: Nagelerkrankungen in der dermatologischen Praxis. Springer, 2012. S. 50.
  • 6. R. Gläser: Nagelpsoriasis. In: Psoriasis - auf einen Blick. E. Christopher (Hrsg.), Thieme 2003. S. 50.