Diagnose - Scores

Schuppenflechte mit PASI, NAPSI und DLQI messen:Was verbirgt sich hinter den Scoring-Verfahren?

Der Hautarzt verwendet den sogenannten PASI, um den Schweregrad der Schuppenflechte festzustellen - und anhand des Ergebnisses die passende Behandlung zu wählen. Wenn auch die Nägel in Mitleidenschaft gezogen sind, kann der NAPSI zu Hilfe genommen werden.

Ein wichtiger Faktor, um den Schweregrad der Schuppenflechte zu beurteilen, ist die Beeinträchtigung der Lebensqualität. Der DLQI misst neben dem Einfluss auf die Psyche auch die Auswirkungen auf Alltag, Freizeitgestaltung, Beruf und persönliche Beziehungen.

Auf Schuppenflechte spezialisierte Hautärzte verwenden oft verschiedene Fragebögen und Einteilungen, um die Schwere der Schuppenflechte möglichst objektiv zu erfassen - darunter PASI, NAPSI und DLQI. Mithilfe dieser sogenannten Scores lässt sich sowohl der Hautzustand als auch die Beeinträchtigung der Lebensqualität bestimmen. Je nach Ergebnis kann der Arzt zwischen unterschiedlichen Behandlungen wählen. Wie funktionieren die Scoring-Verfahren?

Er ist das wichtigste Messinstrument, um die Ausdehnung und Ausprägung der Schuppenflechte-Symptome zu beurteilen: der Psoriasis Area and Severity Index (PASI).1

Zum einen wird der PASI zur Beurteilung des Schweregrades der Schuppenflechte verwendet - und zum anderen dient das sogenannte PASI-Ansprechen der Feststellung von Behandlungserfolgen.

Um den Schweregrad mithilfe des PASI-Verfahrens zu ermitteln, untersucht der behandelnde Hautarzt die Ausdehnung (Area) der Schuppenflechte. Dafür wird die Körperoberfläche in Kopf, Arme, Stamm und Beine unterteilt.

Für jeden dieser Bereiche wird je nach Ausdehnung der Hautveränderungen (Plaques) ein Wert zwischen 0 (keine Plaques vorhanden) und 6 (Plaques bedecken die Haut zu 90-100%) angegeben.

Will man wissen, wie stark die Schuppenflechte ausgeprägt ist (Severity), bestimmt man Rötung (zwischen hellrot und düsterrot), Dicke (in Stufen von 0,25 mm; 0,5 mm; 1 mm und 1,25 mm) sowie Schuppenbildung (zwischen fein sowie sehr rau und sehr dick) der Haut und notiert für jeden dieser drei Faktoren einen Wert zwischen 0 und 4:

Beispiel für die Bewertung der Schuppenbildung beim PASI

Anschließend wird der PASI aus den zuvor ermittelten Zahlenwerten berechnet, wobei eine Formel zum Einsatz kommt, die den prozentualen Anteil der jeweiligen Körperregion an der gesamten Körperoberfläche berücksichtigt.

Das Ergebnis ist ein Wert zwischen 0 und 72, wobei Werte unter 10 für eine leichte Schuppenflechte-Form stehen und Werte über 10 für eine mittelschwere bis schwere Form der Erkrankung.

So wird anhand des PASI der Schweregrad der Psoriasis bestimmt.

Mit dem PASI werden auch Behandlungserfolge bei Schuppenflechte dokumentiert. Ärzte greifen darauf zurück, um zu ermitteln, inwiefern das offizielle Behandlungsziel erreicht worden ist - der Rückgang der Hautveränderungen um mindestens 75 Prozent der ursprünglichen PASI-Messung.

Ein solcher Rückgang wird oft auch als PASI 75-Ansprechen bezeichnet.2

Zur Ermittlung des PASI-Ansprechens misst der Arzt in bestimmten Zeitabständen den PASI-Wert. Das erste Messergebnis, etwa vor der Einnahme eines Medikaments, wird mit den Folgemessungen verglichen. Wie stark sich Psoriasis-Symptome verbessert haben, wird anschließend in Prozent ermittelt.

Dieser PASI-Wert darf folglich nicht mit der oben beschriebenen Schweregradmessung und der PASI-Punkteskala von 0 bis 72 verwechselt werden.

Beim Ergebnis des PASI-Ansprechen ist meist die Rede von PASI 50-, PASI 75-, PASI 90- oder PASI 100-Ansprechen. Eine vollkommen symptomfreie Haut entspricht einem PASI 100-Ansprechen - also einer Reduzierung der Hautveränderungen durch die Schuppenflechte um 100 Prozent.

Die Schweregrad-Messung mit dem PASI berücksichtigt ausschließlich die auf der Haut sichtbaren Auswirkungen der Schuppenflechte. Was der PASI hingegen nicht erfasst: die subjektiven Auswirkungen auf die Psyche und die Lebensqualität von Menschen mit Schuppenflechte.

Da diese Auswirkungen von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein können und der Leidensdruck die Lebensqualität teilweise erheblich einschränkt, wird oftmals zusätzlich der Dermatologische Lebensqualitäts-Index (DLQI) eingesetzt, um auch diese Parameter bei der Bewertung des Schweregrades zu berücksichtigen.

Der DLQI-Fragebogen erfasst folgende Beeinträchtigungen von Menschen mit Psoriasis:

  • Einschränkungen, die die Erkrankung hervorruft
  • Einschränkungen, die die Behandlung hervorruft

sowie Beeinträchtigungen

  • bei Alltagsaktivitäten
  • in der Freizeitgestaltung
  • in Schule und Arbeitsleben
  • in zwischenmenschlichen Beziehungen

Wichtig: Der DLQI misst nur die Erlebnisse und Empfindungen der vergangenen Woche.

Insgesamt besteht der DLQI-Fragebogen aus zehn Fragen zu den genannten Lebensbereichen. Für jede Frage kann als Antwort ein Faktor zwischen 0 und 3 gewählt werden, wobei 3 „sehr stark“ bedeutet und 0 „gar nicht“.

Am Ende erhält man einen Score (Ergebnis) zwischen 0 und 30, wobei 0 für keine und 30 für eine sehr starke Beeinträchtigung der Lebensqualität durch Psoriasis steht.3

Beim Beantworten der DLQI-Fragen sollten Menschen mit Psoriasis unbedingt offen und ehrlich angeben, wie stark sie die Schuppenflechte im Alltag einschränkt.

Die Erfahrung zeigt, dass viele Befragten die Beeinträchtigungen durch die Erkrankung herunterspielen, um nicht als wehleidig dazustehen.

Das Resultat: Der Schweregrad der Schuppenflechte wird als leicht eingestuft - und dem Arzt ist dadurch der Einsatz von neuartigen, hochwirksamen Medikamenten nicht möglich, die ausschließlich für die Behandlung einer mittelschweren bis schweren Schuppenflechte zugelassen sind.

Bei Menschen mit Nagelpsoriasis kann zusätzlich zum PASI-Verfahren der Nail Psoriasis Severity Index, kurz NAPSI, verwendet werden, um den Schweregrad der Schuppenflechte an Finger- und Fußnägeln zu beurteilen.

Der NAPSI ermittelt einen Wert für die Nagelveränderungen, die vom Nagelbett und von der Nagelmatrix (Wachstumszone) ausgehen.

Hierzu wird jeder Nagel in vier imaginäre Felder eingeteilt. So lässt sich festzustellen, welche Bereiche des jeweiligen Nagels betroffen sind. Jeder durch die Schuppenflechte veränderte Bereich kann jeweils einen Punkt für Veränderungen an Matrix und Nagelbett erhalten.

So kommt man auf eine Summe zwischen 0 und 8 pro Nagel, wobei 8 für eine starke Veränderung des Nagels durch die Schuppenflechte steht.4

Lassen sich die Folgen der Schuppenflechte mit PASI, DLQI und NAPSI objektiv messen? Aus Patientensicht scheinen die Messverfahren sehr technisch und der Blick auf die Lebensqualität der zurückliegenden Woche zu kurzfristig.

Viele halten Psoriasis-Scores gegenüber dem tatsächlichen Leidensdruck, denen sich Menschen mit Psoriasis ausgesetzt sehen, für zu unsensibel.5

Denn kein Score erfasst den langfristigen Druck der Patienten, mit einer chronischen Krankheit umgehen zu müssen, die einen das gesamte Leben begleiten wird und immer auch mit gesundheitlichen Beschwerden, verminderten Chancen bei Partner- und Berufswahl sowie Einschränkungen für die zukünftige Lebensqualität droht.5,6

Quellen:
  • 1. Feldman SR et al.: The self-administered psoriasis area and severity index is valid and reliable. In: J Invest Dermatol 106: 183-186, 1996.
  • 2. Feldman SR et al.:The self-administered psoriasis area and severity index is valid and reliable. J In: Invest Dermatol 106: 183-186, 1996.
  • 3. Finlay AY et al.: Dermatology life quality index (DLQI) - a simple practical measure for routine clinical use. In: Clin Exp Dermatol 19: 210-216, 1992.
  • 4. Rich P, Scher RK. Nail Psoriasis Severity Index: a useful tool for evaluation of nail psoriasis. In: J Am Acad Dermatol. 2003 Aug;49(2):206-12.
  • 5. Maccarone, Jobling: Severity assessment / Quality of life - Patients perspective. In: European S3-Guidelines on the systemic treatment of psoriasis vulgaris, Update 2015. EDF in cooperation with EADV and IPCS. 2015, S. 8f.
  • 6. M. A. Radtke: Psoriasis. Mehr als eine Hauterkrankung. In: Allgemeinarzt-online - Fortbildung und Praxis für den Hausarzt, 5.10.2015. URL: http://www.allgemeinarzt-online.de/a/1733014. Zugriff am 9. Oktober 2017.