Ursachen - Stressbewältigung

Schuppenflechte:Stressbewältigung ist Training für die Seele

Um Stress zu reduzieren, gibt es für Menschen mit Schuppenflechte verschiedene Möglichkeiten: Eine Patientenschulung kann dazu helfen, die Erkrankung besser zu verstehen und mit ihr umzugehen. Zudem können leicht erlernbare Entspannungsverfahren gezielt gegen Stress eingesetzt werden.

Wer starken Leidensdruck verspürt, unter Ängsten und Depressionen leidet, sollte mit einem Psychotherapeuten sprechen. Eine Verhaltenstherapie, die unterstützt, Einstellungen, Gedanken, Bewertungen und Überzeugungen nach und nach zu verändern, ist für Menschen mit Schuppenflechte oft sehr wertvoll.

Psychische Belastungen reduzieren und krankheitsbedingte Einschränkungen im Alltag verarbeiten – das kann bewirken, dass sich die Schuppenflechte-Beschwerden bessern. Werden psychische Auslöser erkannt, sollten Methoden zur Stressbewältigung die Therapie durch den Hautarzt ergänzen. Bewusstes Stressmanagement tut nicht nur der Seele gut, sondern auch der Haut.

Schuppenflechte führt zu Stress, der Stress wiederum verschlimmert die Beschwerden, was zu neuen psychischen Belastungen führt. Es ist nicht immer einfach diesem Teufelskreis zu entkommen.

Doch es gibt Auswege – vor allem folgende Maßnahmen sind für den Erfolg entscheidend:

  • Die Behandlung der Psoriasis durch einen erfahrenen Hautarzt, der den Schweregrad der Schuppenflechte richtig einstuft und anschließend geeignete Medikamente einsetzt. Durch eine Verbesserung des Hautbilds und anderer Beschwerden wie Juckreiz werden in der Regel auch die Lebensqualität und der seelische Allgemeinzustand verbessert.
  • Stressbewältigung durch Methoden wie beispielsweise Patientenschulungen, Entspannungsverfahren wie Achtsamkeitsmeditation, Psychotherapie. Wie unterscheiden sich diese?

Patientenschulungen werden laut offizieller Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft zur Behandlung der Psoriasis vulgaris im Rahmen einer Rehabilitation, beim örtlichen Hautarzt oder in Tageskliniken angeboten.1

Sie stellen eine wesentliche Maßnahme zur psychosozialen Unterstützung der Erkrankten dar. Dabei lernen die Teilnehmer durch ein integriertes Verhaltens- und Kommunikationstraining, Stress richtig handzuhaben und so einen besseren Umgang mit ihrer Erkrankung zu erreichen.

Patientenschulung unterstützen dabei…

  • …adäquat mit der Erkrankung umzugehen.
  • …eigene Stärken zu erkennen und nicht nur auf die Krankheitssymptome zu achten.
  • …die eigenen Kompetenzen im Umgang mit der Erkrankung zu stärken.

Beim Verhaltens- und Kommunikationstraining, das meist fester Bestandteil der Schulungen ist, wird den Teilnehmern bewusst gemacht, welche Wege der Krankheitsbewältigung es gibt.

Zudem bekommen sie Techniken an die Hand gegeben, um besser mit Ängsten, Stress und sozialen Stigmatisierungen umzugehen. Diese Strategien üben die Teilnehmer dann in Rollenspielen ein.

Speziell zur Stressbewältigung werden in der Patientenschulung Entspannungsverfahren vermittelt, beispielsweise die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson.

Bei dieser Methode werden verschiedene Muskeln im Körper gezielt angespannt und wieder entspannt, was nicht nur zu einer körperlichen, sondern gleichzeitig auch zu einer psychischen Entspannung führt.

Wer sich für eine Patientenschulung interessiert, sollte mit seinem behandelnden Arzt und der Krankenkasse sprechen. Oft übernehmen die Kassen die Kosten für die Schulungen zumindest anteilig.

Eine weitere hilfreiche Technik ist die sogenannte Achtsamkeitsmeditation. Sie hat sich als unterstützende Behandlung bei Psoriasis als hilfreich erwiesen – es konnte sogar ein positiver Effekt auf den Hautzustand der Teilnehmer nachgewiesen werden.2

Für die Untersuchung teilten US-Forscher der Universität von Massachusetts 37 Schuppenflechte-Patienten zufallsbasiert in zwei Gruppen ein. Beide Gruppen erhielten für eine Dauer von rund 13 Wochen eine Lichttherapie, in einer Gruppe bekamen die Teilnehmer während der Behandlung jedoch zusätzlich eine Anleitung zur Achtsamkeitsmeditation.

Die Achtsamkeitsmeditation lehrt, aufmerksam mit den eigenen Gedanken, Gefühlen und vor allem dem Körper umzugehen. Die Teilnehmer lernten beispielsweise sich auf ihre körperlichen Empfindungen zu konzentrieren – ist der Nacken verspannt oder wie der Atem ein- und ausströmt.

Das Besondere an der Achtsamkeitsmeditation ist, die Zustände wahrzunehmen, aber nicht zu bewerten. Auf diese Weise kann ein tiefes Verständnis von sich selbst und im Umgang mit der Erkrankung entstehen. Das ermöglicht, den eigenen Alltag mit all seinen Herausforderungen besser zu bewältigen.

Tatsächlich sprach die Haut der Teilnehmer in der Achtsamkeitsgruppe wesentlich schneller und besser auf die Behandlung an, als es bei den Patienten in der anderen Gruppe der Fall war – rund 30 bis 40 Tage früher.

Auch psychisch fühlten sich die Probanden der Achtsamkeitsgruppe wesentlich besser. Sie gaben an, entspannter zu sein, und glaubten stärker daran, dass ihnen die Behandlung hilft.2

Zwar sind die Ergebnisse dieser Untersuchung wegen der geringen Teilnehmerzahl nur bedingt aussagekräftig, allerdings gilt die Achtsamkeitsmeditation unter Fachleuten als geeignete Methode zur Stressreduktion.3

Kurse, die Entspannungstechniken wie die progressive Muskelrelaxation oder Achtsamkeitsmeditation vermitteln, bieten beispielsweise Krankenkassen, Volkshochschulen und private Lehrer an. Je nach Krankenkasse werden zumindest Teilzuschüsse gewährt.

Menschen, die an Schuppenflechte erkrankt sind, haben häufig mit Depressionen und Ängsten zu kämpfen. In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, sich professionelle psychotherapeutische Hilfe zu holen.

Als besonders hilfreich hat sich in verschiedenen Untersuchungen die sogenannte emotionsfokussierte kognitive Verhaltenstherapie erwiesen, die speziell auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten zugeschnitten werden kann.4

Bei dieser Form der Psychotherapie lernen die Patienten, besser mit ihren Emotionen umzugehen, problematische Gefühle und Reaktionsmuster nachhaltig zu verändern sowie ihre Gefühle als innere Kraftquelle zu nutzen.

Die Entscheidung für eine Psychotherapie fällt meist in Absprache mit dem behandelnden Haut- oder Hausarzt: Er kann eventuell auch geeignete Experten hierfür empfehlen.

Quellen:
  • 1. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris. URL: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-001l_S3_Psoriasis_vulgaris_Therapie_01_abgelaufen.pdf. Zugriff am 9. Oktober 2017.
  • 2. Kabat-Zinn J et al.: Influence of a mindfulness meditation-based stress reduction intervention on rates of skin clearing in patients with moderate to severe psoriasis undergoing phototherapy (UVB) and photochemotherapy (PUVA). In: Psychosomatic Medicine, 60(5), September/Oktober 1998, S. 625-632.
  • 3. Grossman P, Niemann L, Schmidt S, Walach H: Mindfulness-based stress reduction and health benefits. A meta-analysis. In: Journal of Psychosomatic Research, 57, 2004, S. 35–43./li>
  • 4. Schwartz J, Evers A, Bundy C, Kimballz A: Getting under the skin: report from the International Psoriasis Council Workshop on the role of stress in psoriasis. In: Frontiers in Psychology, 2. Februar 2016. URL: http://dx.doi.org/10.3389/fpsyg.2016.00087. Zugriff am 9. Oktober 2017.