Diagnose - Schweregrade

Leichte Psoriasis oder mittelschwere bis schwere?So unterscheiden sich die Schuppenflechte-Schweregrade

Ärzte unterscheiden bei der Behandlung der Schuppenflechte die Schweregrade leichte Psoriasis und mittelschwere bis schwere Psoriasis. Die Einteilung erfolgt oft mittels wissenschaftlicher Messverfahren, die auf Punktesystemen basieren: Der PASI bewertet beispielsweise die Schwere der körperlichen Beschwerden, der DLQI die Einschränkungen der Lebensqualität des Patienten.

Werte von 10 oder darunter entsprechen jeweils einer leichten Schuppenflechte, Werte über 10 einer mittelschweren bis schweren Erkrankung. Je nach Ergebnis kann die medikamentöse Behandlung sehr unterschiedlich ausfallen - weshalb Patienten negative Krankheitseinflüsse beim Arzt keinesfalls verschweigen sollten.

Die Einteilung in leichte Psoriasis und mittelschwere bis schwere Psoriasis basiert auf Testmethoden - und die können die Lebenswirklichkeit von Patienten nur bedingt einfangen. Jeder Psoriasis-Patient entwickelt seine „eigene“ Schuppenflechte.1 Doch die Einteilung hat Folgen: Je nach Schweregrad entscheiden Hautärzte, ob vorwiegend Salben und Cremes oder Tabletten und Spritzen zum Einsatz kommen. Was sollten Patienten beachten?

Viele auf Psoriasis spezialisierte Hautärzte verwenden international anerkannte Messverfahren, um den Schweregrad einer Schuppenflechte zu bestimmen. Die körperlichen Beschwerden werden oft mit dem Psoriasis Area and Severity Index (PASI) gemessen. Die krankheitsbedingten Einschränkungen der Lebensqualität des Patienten ermittelt man mit dem Dermatologischen Lebensqualitäts-Index (DLQI).

Dabei erfolgt die Einstufung in leichte Psoriasis und mittelschwere bis schwere Psoriasis nach diesem Modell:2

  • Wenn bei beiden Scoring (Mess)-Verfahren - sowohl beim PASI als auch beim DLQI - ein Wert von 10 oder niedriger herauskommt, liegt eine leichte Schuppenflechte vor.
  • Wenn mindestens ein Ergebnis - PASI oder DLQI - höher als 10 ist, liegt eine mittelschwere bis schwere Schuppenflechte vor.

Während mit dem PASI ausschließlich die Fläche der betroffenen Haut sowie die Stärke und Ausdehnung von Entzündungsherden sowie Schuppenbildung bestimmt werden, fließt in den DLQI die Alltagsbelastung durch die Erkrankung ein.

Ein DLQI-Wert höher als 10 kann beispielsweise bei einem Patienten vorliegen, der aufgrund einer Schuppenflechte an den Händen nicht mehr schmerzfrei greifen kann oder infolge der sichtbaren Plaques verstärkt unter einer Stigmatisierung durch sein soziales Umfeld leidet. Dadurch wird seine Lebensqualität erheblich eingeschränkt.

In solch einem Fall liegt eine mittelschwere bis schwere Psoriasis vor, auch wenn der PASI-Wert unter 10 liegt, was eigentlich einer leichten Schuppenflechte entsprechen würde.

Die Schweregrad-Einteilung stellt ein Messverfahren dar, das einerseits die Schuppenflechte nach wissenschaftlich anerkannten Standards klassifizieren soll, andererseits kann diese Messung jedoch die Lebenswirklichkeit von Patienten nicht objektiv beurteilen.

Schließlich lässt sich der Leidensdruck, der mit einer Schuppenflechte einhergeht, nicht messen - weder die Stigmatisierung noch Diskriminierung, die viele Betroffene aufgrund der Schuppen und entzündlichen Plaques erleiden. Die negativen Auswirkungen auf Berufsleben, Alltag, Lebensplanung und Liebesbeziehungen, die sich im Laufe des Lebens anhäufen sind kaum fassbar.3

Deshalb ist die Schweregrad-Einstufung in eine schwere oder leichte Schuppenflechte überaus komplex. Jeder Patient entwickelt im Laufe seiner Krankheitsgeschichte seine „eigene“ Schuppenflechte, sind sich Mediziner mittlerweile sicher.1

Um Einschränkungen der Lebensqualität dennoch realistisch bewerten zu können, sind Hautärzte darauf angewiesen, dass Patienten die Alltagsbelastungen ihrer Schuppenflechte-Erkrankung offen darlegen.

Wer Einschränkungen in seiner Lebensqualität verschweigt oder verharmlost, riskiert eine falsche Einstufung seiner Beschwerden als leichte Schuppenflechte - obwohl womöglich eine mittelschwere bis schwere Form vorliegt.

Und das kann die Chancen auf eine baldige Besserung der Beschwerden verschlechtern.

Der Arzt entscheidet je nach Ergebnis über die weitere Behandlung, was die Schweregrad-Einstufung für Patienten überaus bedeutsam macht: Laut der offiziellen Leitlinie zur Schuppenflechte-Behandlung wird eine leichte Psoriasis anders behandelt als eine mittelschwere bis schwere Psoriasis - es kommen unterschiedliche Medikamente und Wirkstoffe zum Einsatz.4

Bei einer leichten Psoriasis empfiehlt die medizinische Leitlinie eine äußerliche (topische) Behandlung. Die Wirkstoffe gelangen in Form von Salben und Cremes in den Körper, die auf die betroffenen Hautareale aufgetragen werden. Zusätzlich kann der Arzt eine Klima- oder eine psychosoziale Behandlung verschreiben. Wenn eine äußerliche Behandlung allerdings zu keiner ausreichenden Besserung der Symptome führt, kann anschließend auch eine innerliche (systemische) Behandlung erfolgen.

Bei einer mittelschweren bis schweren Psoriasis sollte der Patient von Beginn an innerlich (systemisch) behandelt werden. Das bedeutet: Es werden vorwiegend Tabletten oder Injektionen (Spritzen) verschrieben - die jeweiligen Wirkstoffe, die für die mittelschwere bis schwere Psoriasis zugelassen sind, gelangen über den Blutkreislauf in den Körper. Äußerliche Behandlungen mit Salben, UV-Licht und Salzbädern kommen lediglich ergänzend zum Einsatz. Welche innerlichen Behandlungen helfen bei mittelschweren bis schweren Verläufen?

Einerseits gibt es spezielle Medikamente gegen Erkrankungen des Immunsystems, andererseits die Gruppe der sogenannten Biologika. Die hochwirksamen Biologika konnten die Behandlungserfolge bei mittelschweren bis schweren Schuppenflechte-Formen in den vergangenen Jahren erheblich verbessern.5 Meist werden diese modernen Präparate verschrieben, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend wirken (Zweitlinienbehandlung). Mittlerweile gibt es aber auch Biologika, die für die Erstlinienbehandlung (also ohne vorherigen Einsatz anderer Medikamente) zugelassen sind - und bei mittelschweren bis schweren Verläufen sofort zum Einsatz kommen können.

Quellen:
  • 1. M. A. Radtke: Psoriasis. Mehr als eine Hauterkrankung. In: Allgemeinarzt-online - Fortbildung und Praxis für den Hausarzt, 5.10.2015. URL: http://www.allgemeinarzt-online.de/a/1733014. Zugriff am 9. Oktober 2017.
  • 2. P. Altmeyer: PASI. In: Die Online-Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin. URL: http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/artikel?id=14844. Zugriff am 9. Oktober 2017.
  • 3. M. Augustin, A. B. Kimball, U. Gieler, D. Linder et al.: Psoriasis: is the impairment to a patient's life cumulative? In: Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 2010 Sep;24(9):989-1004.